Zinseszinseffekt – das 8te Weltwunder

Was ist der Zinseszinseffekt?

Der Zinseszinseffekt wird oft als das achte Weltwunder bezeichnet, weil dieser Effekt so mächtig und überwältigend ist, wenn man ihn erst begriffen hat und ihn für sich arbeiten lässt. Gleichzeitig ist er so unscheinbar, dass vielen Menschen nicht einmal bewusst ist, dass er existiert, obwohl er sie ihr gesamtes Leben lang umgibt und teilweise auch massiv beeinflusst. Der Zinseszinseffekt besagt im Grunde, dass über eine lange Zeitspanne nicht nur das investierte Kapital verzinst wird, sondern auch die Zinsen selbst. Irgendwann sind die Zinsen höher als das ursprüngliche Kapital und die Geldvermehrung lässt sich dann kaum mehr stoppen.

Wie lasse ich den Zinseszinseffekt für mich arbeiten?

Damit der Zinseszinseffekt eintritt, müssen die gutgeschriebenen Zinsen, die auf das investierte Kapital anfallen ebenfalls kapitalisiert, also zum Bestandteil des Kapitals werden. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Wenn ich Zinseinnahmen generiere: Liegen lassen! Bloß nicht abheben und verprassen. Denn wenn die Zinsen abgehoben werden, stellt sich die Frage nach dem Zinseszins nicht.

Ich persönlich zahle jeden Monat einen gewissen Betrag vom Gehalt auf mein Aktiendepot ein. Und egal, was passiert, da wird nie etwas abgehoben. Wenn kurzfristig Geld für Autoreparatur oder Elektrogeräte benötigt wird, dann muss das Tagesgeld geplündert werden, denn dafür ist es da. Was auf dem Depot landet, ist weg. Das gehört nicht mehr mir, sondern meinem späteren Ich. Der Typ wird mir noch danken. Und nicht nur das eingezahlte Kapital ist tabu, sondern auch die Zinsen und Dividenden, die regelmäßig ausgezahlt werden. Diese werden gesammelt und wiederum investiert.

Warum ist der Zinseszinseffekt so schwer zu verstehen?

Der Zinseszinseffekt ist am Anfang nicht sichtbar. Er entfaltet seine Kraft erst mit der Zeit. Das ist auch ein Grund dafür, warum der Mensch ihn nicht so einfach begreifen kann. Er ist komplett unnatürlich. Wir Menschen können nicht exponentiell denken, auch wenn wir die Exponentialfunktion in der Schule gelernt haben. Es bleibt in unseren Köpfen nur eine Formel. Alles, was wir Menschen beobachten, schreiben wir linear fort.

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Was muss ich tun, damit der Zinseszinseffekt seine volle Power zeigt?

Weil der Zinseszinseffekt erst nach einer längeren Zeit so richtig abgeht, ist es wichtig, auf die laufenden Kosten von Investments zu achten. Denn 5€, die ich heute zu viel bezahle, könnten in 20 Jahren 30€ sein, die mir fehlen. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum kapitalbildende Versicherungen so schlecht abschneiden. Jeder Euro, der für Provisionen, Abschluss- und Verwaltungsgebühren ausgegeben wird, wird niemals die Gelegenheit haben, für mich zu arbeiten. Außerdem ist es wichtig auch auf die Steuern zu achten.

Steuern beeinflussen die Rendite stärker als man denkt

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich finde, es ist eine gute Sache, wenn man so viel Einkommen hat, dass man die Gelegenheit bekommt, Steuern zahlen zu müssen. Ich zahle lieber Steuern, als das ich so wenig verdiene, dass ich keine zahlen muss. Daher ist Steuern zu zahlen eigentlich ein gutes Zeichen an einen selbst. ABER: Man sollte auch nicht mehr zahlen als man muss, weil auch die abgehende Steuer enormen Einfluss auf die Kraft des Zinseszinses hat. Diesen Einfluss möchte ich dir gerne mit einem Beispiel veranschaulichen. Dieses Beispiel habe ich aus dem Buch “Warren Buffet: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.”* von Robert G. Hagstrom:

Stellen wir uns einmal vor wir legen einen Euro an und jede Anlage, die wir wählen, würde sich jährlich verdoppeln. Nach dem ersten Jahr würden wir die Anlage verkaufen und auf den Gewinn Kapitalertragssteuer von rund 26% zahlen. Wir hätte also nach einem Jahr ein Kapital von 1,74€, welches wir wieder anlegen. Das machen wir 19 weitere Jahre. Am Ende der Periode haben wir ein Kapital von 64.712€ angesammelt und haben währenddessen 22.736€ an Steuern gezahlt. Wenn wir dagegen den einen Euro einmal investiert hätten und die Gewinne während der 20 Jahre nie realisiert hätten, sondern erst am Ende. Dann hätten wir nach 20 Jahren ein Kapital von 775.947€. Und da sind die 272.630€ an Steuer, die wir einmalig beim Verkauf bezahlen müssten schon abgezogen. Die Tabelle und das Diagramm unten veranschaulichen diesen Effekt.

Warren Buffett bezeichnet das Phänomen der unrealisierten Gewinne als “zinsloses Darlehen vom Finanzamt“. Ich finde, das ist eine sehr treffende Bezeichnung. Dieser Effekt ist übrigens auch dafür verantwortlich, warum eine reine Dividendenstrategie langfristig nicht unbedingt zu den besten Anlageergebnissen führt.

Ich hoffe, ich konnte dir den Zinseszinseffekt verständlich erklären und veranschaulichen. Ich finde ihn überwältigend und freue mich schon drauf, wenn er in einigen Jahren so richtig los legt. Was hälst du vom Zinseszinseffekt? Teile mir deine Meinung gern unten in den Kommentaren mit!

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Mathematik und exponentielles Wachstum zu verstehen, fiel mir immer schon sehr schwer. Vielen Dank, dass Du es so verständlich erklärt hast. Ich sollte schleunigst anfangen den Zinseszinz für mich arbeiten zu lassen! 🙂

    Antworten
    • Hallo Edja,
      gern geschehen! Ja genau, je früher du anfängst, desto mächtiger wird der Zinseszinseffekt dich später unterstützen.
      Fange an =)

      Antworten

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