Warum ich keinen Bitcoin (mehr) habe

Erste Begegnung mit dem Bitcoin

Als ich das erste Mal vom Bitcoin gehört habe, war es nur eine Randinformation für mich. Auf einer Home Party erzählte uns ein guter Freund vom Darknet. Was man da machen kann und wie man da reinkommt. Rein theoretisch natürlich. Er erwähnte auch das weit verbreitete Zahlungsmittel, welches im Darknet üblicherweise verwendet wird: der Bitcoin.

Es muss Ende 2012 gewesen sein. Genau die Zeit, als ich angefangen habe, mich nach Möglichkeiten umzusehen, um das Geld, das ich beim Kellnern und als Hilfswissenschaftler an der Uni verdient hatte, genauso hart für mich arbeiten zu lassen, wie ich vorher dafür gearbeitet habe. Ich hatte kein Gold, keine Aktien, keine anderen Assets. Ich suchte also nach meiner ersten Investition.

Doch der Bitcoin wurde es nicht. Zu wenig wusste ich über die digitalen Tokens. Weder wusste ich wie sie entstehen, noch wie sie verwendet werden. Vor allem aber wusste ich nicht, wie man sie erwirbt. Mich damit zu beschäftigen fehlte es mir an Motivation. So hakte ich das Thema Bitcoin zunächst ab.

Die erste Rallye des Bitcoin

Ende 2013 habe ich ein Praktikum im Allgäu angefangen. Ich arbeitete und wohnte mit einem Kommilitonen zusammen. Nach der Arbeit und der anschließenden Gym Session kamen wir immer recht spät heim. Doch gerade rechtzeitig, um beim Abendessen im Hintergrund Galileo laufen zu lassen.

Da war er wieder, mein junger Freund: der Bitcoin. Inzwischen hatte er es in die Massenmedien geschafft. Aber nicht, weil die Redaktion den revolutionären Wert der Blockchain Technologie erkannt hat, sondern natürlich wegen der phänomenalen Rallye zwischen Juli und November 2013.

„Analysiert“ wurde der rasante Anstieg des Bitcoin-Preises, Experten wurden befragt und Erfolgsgeschichten erzählt. Zum Beispiel von einem jungen Norweger, der wenige Jahre zuvor für 20€ Bitcoins gekauft hatte und nun ein reicher Immobilienunternehmer war.

Bei der damaligen Rallye ging der Preis für einen Bitcoin von 50€ im Juli 2013 auf bis zu 1.006€ im November 2013. Selbstverständlich durften dabei die Finanzzeitschriften den Trend nicht verpassen. Sie haben alle darüber berichtet. Und da ich genau zu der Zeit zum ersten Mal diese Zeitschriften gelesen hatte, war ich vom Bitcoin auch schnell überzeugt.

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Mein Bitcoin – Kauf

Und schon war der kleine Hype wieder vorbei. Im Februar 2014 war der Preis für einen Bitcoin auf 400€ abgerutscht. Und ich sah meine Chance. Nach 2 Monaten Recherche über den Bitcoin, die Blockchain, das Mining und den Kryptowährungen allgemein war ich überzeugt von der Technologie.

Mein Gedanke war: Die Anzahl der Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück begrenzt. Es leben 7,3 Milliarden Menschen auf der Welt. Also stehen jedem Menschen 0,00287 Bitcoins jedem Menschen zu. Natürlich nur, wenn sie gerecht verteilt werden würden!

Wenn ich mir also einen einzigen Bitcoin sichern würde – nehmen wir mal an, er setzt sich als akzeptierter Sachwert durch – dann wäre ich in einigen Jahren schon sehr vermögend. Ich habe darauf spekuliert, dass der Bitcoin irgendwann so viel Wert sein würde wie ein Einfamilienhaus.

In einem beliebten Finanzmagazin ist der Wert von 100.000€ gefallen. Das fand ich zugegebenermaßen schon sehr beeindruckend.

Zunächst habe ich mir einen halben Bitcoin für 200€ gekauft und in den Folgemonaten den Bestand auf 1,3 Bitcoins aufgestockt. Der durchschnittliche Einkaufspreis lag bei 332€ pro Bitcoin.

Ich habe mir eine digitale Wallet eingerichtet, die kryptische Adresse der Wallet und das noch kryptischere Passwort ausgedruckt und das Blatt Papier in ein Bankschließfach gelegt. So würde ich nicht so leicht in Versuchung kommen, meinen Bitcoin schnell wieder zu verkaufen. Dachte ich zumindest!

Der Glaube an den Bitcoin schwindet

Es kam, was kommen musste. Als Student ist man chronisch knapp bei Kasse. Da sind 332€ verdammt viel Geld und man überlegt sich zweimal, ob man das Risiko eines Totalverlustes eingeht, selbst wenn die Chancen noch so gut stehen.

Im Sommer 2015 habe ich ein weiteres Praktikum in Dresden – meiner Heimatstadt – angefangen und wollte nicht jeden Morgen mit der Bahn fahren. Ein Fahrrad hatte ich zu der Zeit nicht und wollte mir eins besorgen. Doch von welchem Geld?

Inzwischen hatte ich mir auch einige Aktien zugelegt, die liefen 2015 alles andere als gut. Also was tun? Mit Verlusten verkaufen oder aussitzen und nach anderen Geldquellen suchen? Naturgemäß habe ich mich dafür entschieden, die Anlage mit dem größten Risiko zu Cash zu machen. Und das war eben der Bitcoin.

Hinzu kam der Umstand, dass der Preis des Bitcoin seit einem Jahr vor sich her gedümpelt ist bzw. sogar gefallen ist. Ich dachte mir: Vielleicht ist der Hype vorbei und das Vertrauen in die Währung ist dahin? Einige Bitcoin Börsen wurden geschlossen, andere wurden gehakt, wieder andere gingen Preite. In diesem Umfeld fiel es mir schwer daran zu glauben, dass ich mir irgendwann ein Haus für einen Bitcoin kaufen könnte. Jetzt konnte ich immerhin noch ein gebrauchtes Fahrrad davon bezahlen.

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Mein Bitcoin – Verkauf

Für den Verkauf des Bitcoins musste ich zum Schließfach und die Adresse der Wallet mit Passwort holen. Ein schönes System, was mich vor dem Verkauf bewahren sollte, ließ sich also doch recht einfach aushebeln. Für 1,3 Bitcoins habe ich 215€ kassiert und war froh wieder Cash zu haben.

Heute (Ende 2017) kannst du keinem erzählen, dass du mit dem Bitcoin Verluste gemacht hast. So blöd kann doch keiner sein. Haha. Aber es waren immerhin fast 150€, die ich verloren habe. Keine Summe, die mich umbringt, doch angesichts der jüngsten Rallye schon recht peinlich.

Die zweite Bitcoin Rallye

Nur ein halbes Jahr nach meinem Bitcoin Verkauf, begann der Preis wieder zu steigen. Das merkte zunächst keiner. Außer diejenigen, die schon bei dem Thema dabei waren. Und plötzlich zündete die Rakete!

2017 wurde das Jahr des Bitcoin. Von 700€ im Januar ging es auf zeitweise 13.000€ Anfang Dezember. Und auf einmal kannte ihn jeder. Alle reden davon, die Finanzmagazine sind voll damit. Jedes zweite Cover eines Magazins ist mit diesem Thema geschmückt: „Wie können Anleger vom Hype profitieren?“, „Mit dem Bitcoin in den Ruhestand“.

Neue Schneeballsysteme wurden etabliert, stupid money eingesammelt, um mit dem Bitcoin zu traden. Deutsche Anleger, denen Aktien bekanntlich zu riskant sind, finden den Bitcoin absolut sicher wie eine ewig laufende Wohlstandsmaschine.

Tja, die zweite Rallye ist um einiges wuchtiger als die erste 2013, aber die habe ich leider verpasst. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich den aktuellen Bitcoin Preis mal 1,3 rechne und mir vorstelle, was ich mit den 8.000€, 13.000€ oder 17.000€ anstellen könnte. Aber es ist ja bereits nachgewiesen, dass entgangene Gewinne mehr weh tun als realisierte Verluste. Dieses Wissen bewahrt mich davor, mitten im Hype erneut reinzuspringen.

Abschlusswort

Es gibt eine Zauberformel, mit der man an der Börse viel Geld verdienen kann: „Bei niedrigen Kursen kaufen, bei teuren verkaufen.“ Wenn die Umsetzung der Formel genauso einfach wäre, dann gäbe es unbegrenzten Reichtum für alle. Oder doch nicht?

Manchmal kommt es vor, dass man eben den höchsten Kurs erwischt und bei niedrigeren Kursen verkauft, wenn das Vertrauen in die alte Idee verschwunden ist. Ich glaube immer noch, dass der Bitcoin die 100.000€ erreichen kann. Doch ich habe es nicht geschafft, diesen Glauben durchzuhalten. Und auch jetzt noch glaube ich nicht daran, dass die hohen Preise – wenn sie denn erreicht werden – von bleibendem Wert sein werden. Aber vielleicht irre ich mich auch, denn die Technologie dahinter – die Blockchain – finde ich schon sehr interessant!

Ich glaube auch nicht, dass ich den Bitcoin gehalten hätte, wenn er in meinem Besitz die ersten 100% oder 300% zulegen würde. Ich hätte höchstwahrscheinlich die ersten 300€ Gewinn mitgenommen und die Sache wäre gegessen.

Daher trauere ich lieber nicht dem entgangenen Gewinn hinterher, sondern freue mich auf die zukünftigen! 😉

Dazu ein passendes Zitat:
„Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ (Mark Twain)

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Nico,

schön, dass du dem entgangenen Gewinn nicht nachtrauerst.

Ich besitze Bruchteile eines Bitcoin und habe dafür wesentlich mehr bezahlt als du damals.

Ich glaube daran, dass der Wert zukünftig hochgehen wird. Klar, die Kurse der Kryptos sind unberechenbar. Noch viel unberechenbarer als einzelne Aktienkurse

Antworten

    Hallo Tanja,

    naja, im Dezember 2017 – als der Wert meiner ehemaligen Investition zwischenzeitlich 20.000€ erreicht hatte – war ich ein paar Wochen schon bissl traurig.

    Ich habe mir durch den Kopf gehen lassen wie lange ich für das Geld arbeiten müsste und habe grob überschlagen, dass ich mir 2 Jahre Sparrate hätte sparen können. Das ist dann schon hart.

    Inzwischen bin ich nur noch in IOTA investiert. Aber vordergründig, weil ich von den zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten fasziniert bin. Nebenbei natürlich auch als Spekulation.

    Beste Grüße
    Nico

    Antworten

Du schreist so locker “Für 1,3 Bitcoins habe ich 215€ kassiert”. Mir ist es dabei zunächst einmal egal, ob 215 Euro, 2.150 Euro oder 21.500 Euro. Meine Frage lautet eher: Wie und wo kann man Bitcoin überhaupt in Euro tauschen?
Bei Aktien gibt es Börsen (Xetra etc.). Bei Immobilien muss man einen konkreten Käufer finden.
Aber wie ist das bei Bitcoin? (Da habe ich schon abenteuerliche Geschichten gelesen, wo jemand über 25 Ecken verkauft hat, und jeder hat sich da Gebühren abgezwackt, so dass selbst bei einem vermeintlich hohen Kurs nicht mehr viel übrig blieb)

Antworten

    Hallo Rabi,

    auch für den Bitcoin gibt es viele Börsen. Ich persönlich habe von Anfang an bitcoin.de benutzt und habe noch nie Probleme gehabt. Man kann da ziemlich unkompliziert Bitcoins für Euro kaufen und auch wieder für Euro verkaufen. Ich habe seit 2014 bestimmt um die 25 Transaktionen durchgeführt und hatte noch nie Schwierigkeiten. Die Börse fungiert auch als eine Art Escrow Service. Sie gibt die Bitcoins erst frei, wenn der Verkäufer den Geldeingang bestätigt hat.

    Also du kauft direkt vom Verkäufer der Bitcoins, dafür zieht die Plattform automatisch die Transaktionsgebühr (wie die Börsenplatzgebühr beim Aktienkauf) ab, die der Käufer und der Verkaufer je zur Hälfte bezahlen. Die höhe der Gebühr kann sehr stark abweichen. Als ich meinen ersten Bitcoin gekauft habe, wurden mir vielleicht 20 Cent abgezogen. Als ich im Dezember einen Kauf getätigt habe, betrug die Gebühr 13€, da das Bitcoin Netzwerk einfach überlastet war und dadurch die Transaktionen sehr teuer wurden.

    Beste Grüße
    Nico

    Antworten

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