Quartalsbericht, Q2/2019

Projekt: Forex Trading

Im letzten Quartalsbericht habe ich bereits angedeutet, dass ich mich mit einem neuen Gebiet der Finanzwelt beschäftigen möchte: dem Devisenhandel, auch Forex Handel genannt.

Um Kapital dafür zu beschaffen, habe ich in meinem Depot einige Werte aussortiert. Natürlich gehe ich damit das Risiko ein, dass ich das Kapital auch verlieren könnte, während es vorher in sichereren Unternehmensbeteiligungen angelegt war.

Langfristig werde ich mein Depot weiter ausbauen und mein Ziel der finanziellen Unabhängigkeit weiterhin verfolgen. Allerdings hatte ich bereits jetzt ein Gefühl der Freiheit, als ich meine eigene Entscheidung treffen konnte, mit dem Kapital etwas Neues anzufangen.

Um das neue Projekt zu starten, musste ich keinen Kredit aufnehmen oder auf irgendetwas verzichten. Ich konnte es einfach selbst entscheiden. (Natürlich geht das nur, wenn die Aktienkurse es zu diesem Zeitpunkt auch erlauben.)



Mein Ausflug in die Forex Welt ist noch jung, aber einige Erkenntnisse kann ich inzwischen festhalten:

  • Forex ist nichts für schwache Nerven: Emotionen sind fehl am Platz! Es gilt, eine Strategie für sich zu finden, die zwar profitabel ist, die aber auch zu einem passt. Diese Strategie muss dann konsequent durchgezogen werden, egal was der Bauch dazu gerade sagt. Die Schwankungen können je nach Hebel extrem sein.
  • Das Kapital abschreiben: Das Geld, was man beim Broker eingezahlt hat, sollte man gedanklich schonmal abschreiben. Natürlich versucht man, dieses Kapital zu vermehren. Aber wenn es weg ist, darf es einen nicht ruinieren. Daher sollte man niemals auf Kredit spekulieren.
  • Langfristige Strategie: Auch beim Forex Trading wird man nicht über Nacht reich. Nach den ersten Erfolgen kann man sich zwar mit Excell Tabellen schnell reich rechnen. Aber bis man das Ziel erreicht hat, vergehen viele Nächte, in denen man hoffentlich noch gut schlafen kann. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss auf dem Weg viele schmerzhafte Drawdown Phasen verkraften.
  • Es hilft, darüber zu reden: Gerade am Anfang schaut man noch oft ins Depot, das ist normal. Es beschäftigt einen rund um die Uhr. Man sollte es deswegen in seinem Umfeld nicht verschweigen, gerade gegenüber seinem Partner. Wenn man nicht darüber spricht, können sich die Launen der Märkte auch auf die Beziehung übertragen. Ich spreche mit meiner Freundin viel über meine Aktivitäten am Devisenmarkt. Das hilft mir, auch schlechte Phasen mental gut zu verarbeiten.

Hinweis: Dieser Quartalsbericht ist lediglich ein Erfahrungsbericht. Ich möchte niemanden dazu verleiten, sein Depot zu verkleinern, um mit Hebelprodukten zu spekulieren. Jeder muss sich selbst um sein Kapital kümmern und selbst entscheiden, welche Risiken er bereit ist einzugehen.

Ich bin das Risiko bewusst eingegangen und es kann genauso gut mit einem Totalverlust enden. Die Konsequenzen trage ich dafür selbst.

Und nun zum aktuellen Stand:

Ich habe mit dem Handel Mitte Januar angefangen und konnte bisher eine monatliche Rendite von 8,4% erzielen. Wohlgemerkt ist diese Rendite unter hohen Schwankungen und alles andere als passiv zustande gekommen.

Bereits jetzt übersteigt der Ertrag die gesamten Dividendenzahlungen, die ich in meiner Laufbahn als Aktionär (seit 2014) bekommen habe. Ob das aber weiterhin so gut läuft, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Das wichtigste Ziel ist und bleibt der Kapitalerhalt.

Forex ist keine langfristige Anlageklasse, sondern lediglich eine Kapitalvermehrungsoption (oder auch eine Kapitalvernichtungsoption, je nach Erfolg). Ich werde so früh wie möglich versuchen, zumindest das eingesetzte Kapital herauszuziehen und es wieder in Aktien anzulegen. Sollten weitere Gewinne folgen, werden diese ebenfalls in Assets investiert.

Im letzten Quartalsbericht habe ich bereits einige Werte zu Cash gemacht. Auch in diesem Quartal habe ich einige Positionen verkauft. Dennoch ist und bleibt das Aktiendepot mein favorisiertes Anlageinstrument und wird auf lange Sicht wieder ausgebaut werden.

Alle Aktienwerte konnten mit Gewinn veräußert werden. Das ist zwar schön. Bedeutet aber, dass ich den Freistellungsauftrag für dieses Jahr inzwischen aufgebraucht habe und auf die Gewinne teilweise schon Steuern zahlen musste. Man findet immer ein Haar in der Suppe, aber darüber will ich mich nicht beschweren.

Die Aktien von Naspers (906614) habe ich nicht lange gehalten. Gerade einmal 8 Monate waren sie in meinem Depot. Für einen langfristigen Investor wie mich ist das viel zu kurz, aber es war eine gute Gelegenheit, um Cash aus dem Depot zu ziehen.

Mit Naspers hängt auch ein weiterer Verkauf zusammen. Vor wenigen Monaten hat Naspers ein Unternehmen abgespalten und an die Börse gebracht. In dem Zuge wurden mir Aktien der Multichoice Group Ltd. (A2PD0F) eingebucht. Diese relativ kleine Position habe ich gleich mitverkauft.

Von Berkshire Hathaway (A0YJQ2) habe ich mich nach 4 Jahren Haltezeit getrennt, habe aber vor sie in Zukunft wieder ins Depot zu nehmen, wenn sich eine günstige Gelegenheit dazu ergibt.

Als letztes habe ich noch die Position von Dialog Semiconductor (927200) veräußert. Die ersten Anteile habe ich mir vor 4 Jahren geholt und über 4 Tranchen eine Position von 60 Stück aufgebaut. Die Schwankungen der letzten Jahre haben mir gezeigt wie anfällig Dialog auf Short Attacken reagiert. Ein Drawdown von einem meiner Depotwerte von über 75% ist mir nicht stabil genug. Das Unternehmen finde ich weiterhin stark, aber der Kurs schwankt mir dann doch zu stark. Ohne Dividenden wird dieser Umstand auch nicht gelindert. Das Unternehmen landet auf der Watchlist und wird eventuell später wieder aufgenommen.

Festzuhalten ist, dass ich keine der Beteiligungen verkauft hätte, wenn ich nicht Geld an einer anderen Stelle gebraucht hätte. Selbst Dialog Semiconductor hätte ich allein wegen der hohen Schwankungen nicht verkauft.



Mein Sparplan auf den MSCI World (A0RPWH) lief April und Mai ganz normal weiter. Seit Juni habe ich aber keinen Sparplan mehr. Inzwischen hat die Onvista Bank eine Pauschale für Sparplanausführungen eingeführt. Diese beträgt 1€ pro Sparplan und Ausführung. Das würde bedeuten, dass ich bei monatlicher Ausführung jedes Jahr 12€ pro Sparplan zahlen würde. Das ist zwar nicht die Welt, stört mich aber trotzdem.

Deswegen werde ich entweder eine quartalsweise Ausführung einrichten oder den ETF in unregelmäßigen Abständen bei guten Preisen einfach direkt in größeren Tranchen einkaufen.

Käufe:

  • 3,956x ishares Core MSCI World UCITS (A0RPWH)

Verkäufe:

  • 5x Naspers (906614)
  • 5x Multichoice Group Ltd. (A2PD0F)
  • 4x Berkshire Hathaway (A0YJQ2)
  • 60x Dialog Semiconductor (927200)

Meine schwächsten Werte dieses Quartal waren Weibo (-35%) und Imperial Brands (-31%). Dafür konnte sich Wirecard (+35%) wieder etwas von den Short Attacken erholen und Walt Disney (+22%) wurde von den Anlegern wiederentdeckt, nachdem es für die Aktie mehrere Jahre nur seitwärts lief.

Depotzusammensetzung

Meine Dividenden

Das zweite Quartal ist traditionell ein starkes, was die Dividenden angeht. Viele Unternehmen schütten nur einmal pro Jahr Dividende aus und das geschieht oft im Zeitraum zwischen April und Juni.

Auch wenn ich eher auf Quartalsdividende stehe, habe ich trotzdem einige Aktien im Depot, von denen ich lediglich im zweiten Quartal eine Jahresdividende erhalte.

Mit dem zweiten Quartal 2019 bin ich sehr zufrieden. Es gab beinahe 35% mehr Dividende als letztes Jahr im gleichen Zeitraum. Als Arbeitnehmer kann ich eine solche Gehaltssteigerung vergessen.

Das ist einer der Gründe, warum es sich lohnt nicht nur Angestellter, sondern auch gleichzeitig Investor zu sein.

Dividendeneinkommen

Ausschüttungen:

April: 94,42€ (Vorjahr: 12,63€; +647,59%)

Mai: 197,90€ (Vorjahr: 172,55€; +14,69%)

Juni: 50,72€ (Vorjahr: 70,58€; -28,14%)

Gesamt Q2/2019: 343,04€ (Vorjahr: 255,76€; +34,13%)

Fazit

Das zweite Quartal verlief im Großen und Ganzen ereignisarm. Der Fokus lag auf dem Studium, dass ich letzten Oktober angefangen hatte. Deswegen blieb auch wenig Zeit, um dieses Blog mit mehr Inhalt zu füllen. Etwas mehr Spannung kam vom Forex Trading.

Die Aktien, die ich im zweiten Quartal verkauft habe, schütten entweder gar keine oder nur eine geringe Dividende aus, sodass sich durch den Verkauf an der Prognose für das Gesamtjahr kaum etwas ändert.

Ich erwarte weiterhin einen Gesamtertrag durch Dividenden von 860€. Allerdings ist das die Bruttosumme. Die Auswertungen mache ich normalerweise in Nettobeträgen (also nach Abzug der Kapitalertragssteuer) und da ich den Freibetrag für dieses Jahr schon aufgebraucht habe, wird die Nettosumme wahrscheinlich etwas niedriger ausfallen. In den Quartalen Q1 und Q2 gab es bisher 482,75€ netto.

Bildquellen: rawpixel.com

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hey Nico,
    Ich kenn dein Problem: „Wenn man nicht darüber spricht, können sich die Launen der Märkte auch auf die Beziehung übertragen.“ Hab deswegen eine Gruppe bei Whatsapp, wo ich mit zwei witeren guten Invesoren darüber rede. 🙂

    Antworten
    • Hallo Sanja,

      das finde ich klasse!

      Mit anderen Investoren darüber zu sprechen, hilft nicht nur, die Gefühle zu verarbeiten, sondern auch seine Trades zu reflektieren. So kann man seine Strategie weiter verfeinern.

      Viel Erfolg weiterhin!

      Beste Grüße
      Nico

      Antworten

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