Mein erster Optionshandel (Teil 2)

Das Zögern vor dem Sprung

In dem Kurs hat Jens Rabe mehrere gute Broker genannt. Die meisten von denen sind Tochterfirmen von Interactive Brokers und nutzen die gleiche Trader Work Station (TWS), die die beste Handelsplattform weltweit sein soll.

Das Wissen war zwar frisch, aber die Erkenntnis, dass der Optionshandel enorme Risiken bereithält, war es auch. In dem Kurs wurde vor allem auf den OptionenVERKAUF eingegangen, denn das sei die Trading Art, bei der man mit Wahrscheinlichkeiten gutes Geld verdienen kann, wenn man gewisse Regeln beachtet und sich an sie hält.

Beim Optionenverkauf ist es nämlich so, dass der maximale Gewinn von vorn herein feststeht und auf die erhaltene Prämie begrenzt ist, wohingegen der Verlust theoretisch unbegrenzt ist. Das hat mich zunächst abgeschreckt. Außerdem benötigt man zum Trading mehr Zeit als für das simple Buy and Hold. Mit dem Optionenhandel muss man sich beschäftigen, es ist keine passive Einkommensquelle.

Ich habe einige Wochen gezögert, da ich nicht viel Zeit hatte, um mich mit der neuen Materie zu beschäftigen. Einen Kurs für 5€ zu machen ist das Eine, aber mit mehreren Tausend Euro ins kalte Wasser zu springen ist etwas ganz Anderes.

Ein neues Depot musste her

Nach einigem Zögern habe ich mich entschieden, den Handel mit Optionen auszuprobieren. In erster Linie nicht, um eine Überrendite gegenüber meinem Buy and Hold Depot zu erwirtschaften, sondern aus reiner Neugier. Ich wollte meinen Horizont erweitern und wenn ich in Zukunft den Optionshandel verteufeln sollte, dann sollte ich auch begründen können warum!

Mit Onvista Bank* konnte ich keine Optionen handeln, also musste ein neues Depot her. Nach einigen Recherchen bin ich auf den Blog von der Finanzmixerin gestoßen. Tanja handelt auch mit Optionen und hat mir ihren Broker empfohlen, da sie selbst mit ihm zufrieden war.

Es sollte ein Depot bei BANX* werden. BANX arbeitet als Vermittler für das große US-Brokerhaus Interactive Brokers und bietet sehr günstige Konditionen. Seit einigen Wochen benutze ich die Handelsplattform auf meinem Cash-Konto und bin bisher zumindest nicht enttäuscht worden.

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Der erste Optionstrade

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass der Optionenhandel große Risiken parat hält. Es ist beim Optionenverkauf sehr wichtig, dass man die Verluste begrenzt. Denn die Gewinne sind bereits begrenzt, die Verluste jedoch nicht. So kann es passieren, dass ein einzelner Trade die Performance der letzten Monate komplett zerstört oder noch schlimmer, das ganze Depot auslöscht.

Um diese Risiken zu begrenzen handle ich nicht mit einem Margin-Konto, sondern mit einem einfachen Cash-Konto ohne Kredithebel. Außerdem verkaufe ich nur Put-Optionen auf Aktien, die ich sowieso gerne kaufen würde, denn es kann passieren, dass ich die Aktien zum Ende der Laufzeit bei Ausübung kaufen muss.

Bei BANX beträgt die Mindesteinzahlsumme nach Kontoeröffnung 3.000€. Mehr hatte ich für das Experiment auch nicht übrig, also startete ich mit dieser Summe. Mit weniger macht der Optionshandel sowieso wenig Sinn, da man schon bei 3.000€ auf Aktien beschränkt ist, die 30€ oder weniger kosten (1 Option = 100 Aktien).

Am 26. April habe ich eine Put Option auf den Basiswert Dialog Semiconductor (WKN: 927200) mit einem Strikepreis von 17€ und der Laufzeit von 22 Tagen verkauft. Das Symbol lautet dann so: DLG MAY2018 17.0 P [P DLG MAY 18 1700 100]. Ich habe für den Verkauf abzüglich der Gebühren 73,20€ eingenommen.

Wenn die Aktie am Ende der Laufzeit über dem Strikepreis notiert, dann verfällt die Option wertlos. Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit, aber unter dem Strikepreis, dann muss ich die 100 Aktien zum Strikepreis kaufen. In jedem Fall dürfte ich die Prämie behalten. (Die erste Prämie wird man wohl nie vergessen!)

Auf mein Beispiel bezogen: Wenn Dialog Semiconductor über 17€ am Ende der Laufzeit notieren würde, dann hätte ich mit dem Handel 4,3% in 22 Tagen verdient (73,2×100/1700).

Doch dazu ist es nicht gekommen.

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Vorzeitiger Verkauf

Bereits am 02. Mai, also 6 Tage nach dem Verkauf der Option, ist Dialog Semiconductor voll abgegangen und meine verkaufte Option war nur noch die Hälfte wert. Es hätte mir egal sein können, denn das erhöhte nur die Chancen, dass die Option am Ende der Laufzeit wertlos verfällt.

Aber ich hatte kurz zuvor den Beitrag von Ingo von Mission Cashflow gelesen und da heißt es: „Wir kaufen die Option vorzeitig bei 50% Gewinn zurück“. Diese Aussage bezieht sich auf Optionen, die in der ersten Hälfte der Laufzeit die Hälfte ihres Wertes verlieren.

Das erscheint mir vernünftig, denn es ist sehr ärgerlich, wenn man gleich am Anfang die Hälfte der Prämie einstreichen könnte, am Ende der Laufzeit die Option doch noch gegen einen läuft und man eventuell die Aktien eingebucht bekommt.

Für den Rückkauf der Put Option habe ich am 07. Mai inklusive der Gebühren 30,80€ bezahlt. Das heißt, ich habe in 11 Tagen nach Kosten vor Steuern 42,40€ verdient (73,20-30,80). Das entspricht einer Rendite von 2,49% in 11 Tagen, also etwa die Hälfte der Rendite, die ich am Ende der Laufzeit bekommen hätte, in der Hälfte der Zeit. Nur, dass das Risiko wieder aus dem Depot raus war.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem ersten Optionshandel recht zufrieden, wobei sich der Basiswert natürlich auch optimal entwickelt hat. Das wird nicht immer so laufen, daher bin ich gespannt wie sich die nachfolgenden Geschäfte entwickeln werden und ob ich weiterhin die Optionsstrategie verfolgen werde. Vor allem bin ich aber froh, dass ich das erworbene Wissen rund um Optionen endlich in der Praxis umgesetzt habe.

Nun weiß ich auch, wovon ich rede, wenn ich über Optionen berichte und gebe nicht nur fremdes Wissen oder Halbwahrheiten weiter.

Wie sieht es bei Dir aus? Hast du bereits Erfahrungen mit Optionen gesammelt? Und wenn ja, wie lief Dein erster Optionshandel?

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Bildquellen: pixaby

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9 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ingo von Mission-Cashflow
29. Juli 2018 23:19

Glückwunsch zum ersten erfolgreichen Trade!

Alles richtig gemacht bis hierher inkl. des wichtigsten Schritts: Just do it 😉 … also überhaupt erstmal anzufangen.

Ab jetzt gilt einfach erstmal ruhig so weiter machen und Erfahrung sammeln. Viel Glück!

CU Ingo von Mission-Cashflow.de

Antworten

Glückwunsch zum ersten Optionshandel Nico 🙂
Mir steht er noch bevor

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Rein mathematisch hast du hier sicherlich ein gutes Geschäft gemacht (2,49% Rendite in 11 Tagen). Aber ich frage mich, ob du überhaupt einschätzen kannst, inwieweit das Geschäft “fair” war.
Im ersten Moment dachte ich: Wieso musst du “nur” € 30,80 – auch noch incl. Gebühren – für etwas bezahlen, das nur noch die Hälfte (also mindestens € 36,60) wert war? In Wirklichkeit war es aber vielleicht zu dem Zeitpunkt nur noch 20 Euro wert (die Gegenseite wird doch einen guten Grund für ihr Angebot gehabt haben, und Gebühren zahlst du auch noch ein weiteres Mal).

Ich will den Optionshandel ja nicht generell schlechtreden, aber ich denke, dass es für einen nichtprofessionellen Privatmenschen noch wesentlich schwerer als bei Aktien sein dürfte, den “fairen” Wert einer Option zu bestimmen. Angenommen, man hätte dir am Anfang € 60,– (statt € 73,20) bei ansonsten gleichen Konditionen geboten, hättest du das auch akzeptiert? Wo wäre deine Schmerzgrenze gewesen? War es das Risiko wert (Aktie rutscht in den Keller und kommt da nicht mehr raus)?

Antworten

    Hallo Rabi,

    zunächst einmal muss ich sagen, dass ich noch nicht vollständig davon überzeugt bin, ob der Optionshandel etwas für mich ist und ob meine langfristige Vermögensaufbaustrategie den Optionshandel mit beinhalten wird. Die ersten Schritte, die ich mache, sind eher von der Kategorie “Probieren und Testen”. Da der Optionshandel zur Kategorie der Derivate und Termingeschäfte zählt, funktioniert das einfache Prinzip “Buy and Hold” nicht. Das birgt Risiken, da man hier Verluste nicht einfach aussitzen kann.

    Ob das Geschäft fair ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Da jemand bereit ist, das Geschäft mit mir zu vollziehen, nehme ich an, dass das Geschäft von beiden Seiten als fair wahrgenommen wird. 2,49% in 11 Tagen klingt wie ein Werbeversprechen von einem unbekannten neuen Dienstleister, der einen Laien über den Tisch ziehen will. Aber man sollte nicht vergessen, welches Risiko ich für den Preis übernommen habe. Der Käufer der Option hat sich gegen fallende Kurse absichern wollen und ich habe ihm diese Versicherung verkauft. Dafür habe ich eine Prämie bekommen, bin aber auch die Pflicht eingegangen, meinen Geschäftspartner im Falle des finanziellen Schadens abzusichern. Wie du bereits selbst beschrieben hast: Wenn die Aktie in den Keller rutscht und sich nicht mehr erholt, dann werden aus den 2,49% in 11 Tagen schnell mal Minus 40% für die nächsten 2 Jahre.

    Zu “Die Gegenseite wird doch einen guten Grund für ihr Angebot gehabt haben”: Das ist wie bei Aktien auch. Es gibt immer einen guten Grund, warum die Gegenseite eine Aktie kaufen oder verkaufen will, dabei schwanken die Kurse auch stark. Man muss nicht jedes Angebot akzeptieren, auch beim Optionshandel gibt es die Möglichkeit einen Limitkurs einzugeben oder zum Marktpreis (nicht zu empfehlen) zu handeln.
    Außerdem handelt man oft nicht mit einem realen Geschäftspartner direkt, sondern mit dem Marketmaker. Ein Marketmaker ist dazu da, um die Liquidität sicher zu stellen. Das heißt er handelt mit Marktteilnehmern, die ansonsten wahrscheinlich nicht sofort einen Handelspartner finden würden. Der Marketmaker muss dafür ja auch entlohnt werden. Deshalb lebt er von der Preisdifferenz zwischen Brief- und Geldkurs (der sogenannte Spread).

    Meiner Meinung nach ist es bei Optionen sogar deutlich einfacher den “fairen Wert” zu bestimmen, da es dazu eindeutige Formeln gibt. Bei Aktien muss ich das gesamte Geschäftsmodell verstehen, Kennzahlen interpretieren, Zukunftsaussichten bewerten (je nach Branche sehr unterschiedlich) und so weiter. Bei den Optionen geht es nur um Kennzahlen wie Kurs des Basiswerts, Strike Preis, Laufzeit, implizite Volatilität und so weiter. Dadurch lassen sich der innere Wert und der Zeitwert berechnen und schon hat man den “fairen Wert” der Option. Die viel schwierigere Entscheidung ist dann, ob man seinen Geschäftspartner versichern will oder nicht.

    Beste Grüße
    Nico

    Antworten

      “Die viel schwierigere Entscheidung ist dann, ob man seinen Geschäftspartner versichern will oder nicht.” Genau in diesem Satz liegt wohl die Krux.
      Eine professionelle Versicherung lebt von Versicherungsprämien. Das ist ihr Geschäftsmodell. Sie kann aus Erfahrungen das Gesamtrisiko einschätzen (sie weiß z.B. wie viele Häuser in einem Jahr abbrennen, aber sie weiß nicht, welches Haus brennt).
      Aber selbst Derjenige, der seine Aktien mit einer Option gegen fallende Kurse absichert, ist nicht vollkommen aus dem Schneider, da die Option zeitlich begrenzt ist. Wenn er sich dauerhaft absichern wollte, müsste er die Option doch immer wieder erneuern (immer wieder erneut eine Prämie zahlen). Auf lange Sicht wäre die Summe aller Prämien womöglich höher als ein Kursverlust.

      Antworten

        Richtig, auf Dauer kostet eine Absicherung eine Menge an Rendite. So wie bei allen anderen Versicherungen ist die Prämie, die bezahlt wurde, weg. Ob nun der Versicherungsfall eingetreten ist oder nicht. Deswegen hatte ich auch oft den Gedanken, dass ich die Prämie lieber spare und das Geld zur Seite lege. Wenn der Versicherungsfall nicht eintritt, dann hätte ich eine Menge Geld gespart. Wäre nur blöd, wenn der Schadensfall bereits nach einer kurzen Zeit eintreten würde.
        Auch bei herkömmlichen Versicherungen ist die Versicherungsdauer begrenzt. Im Regelfall ist die Versicherungsdauer 1 Jahr und nach Ablauf des Jahres muss erneut die Prämie bezahlt werden.

        Antworten

Folgende Informationen fehlen m.E. in deinem Eintrag: Wie war der Kurs von Dialog Semiconductor zum Zeitpunkt, als du das Geschäft abgeschlossen hattest und zum Zeitpunkt des Rückkaufs. Und wie hoch waren die jeweiligen Gebühren?

Sicherlich gibt es eine Formel, mit der man aus aktuellem Kurs, Strikepreis und Restlaufzeit den “fairen” Betrag errechnen kann, den so eine Option kosten müsste.
Du schreibst, dass Ingo von Mission Cashflow die Option vorzeitig zurückkauft, wenn … (Bedingung). Gibt es denn auch einen sonstigen Markt (Börse), wo du sie jederzeit hättest verkaufen können, also ich meine, falls jemand Anderer genau das kaufen will, was du hast?

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