Mein Depotwert ist nicht gleich mein Vermögen

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Was ist Vermögen?

Bei Wikipedia wird der Begriff folgendermaßen definiert:
„In den Wirtschaftswissenschaften ist Vermögen (englisch assets) der in Geld ausgedrückte Wert aller materiellen und immateriellen Güter, die im Eigentum einer Wirtschaftseinheit stehen.“

Auf meinen persönlichen Fall bezogen ist die Wirtschaftseinheit: ICH. Materielle Güter wären in meinem Fall Geldwerte (Girokonto, Tagesgeld, Anleihen, Schecks, Gutscheine, P2P-Kredite usw.) und Sachwerte (Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Autos, Sammelobjekte usw.).
Um das Nettogeldvermögen zu ermitteln muss ich von meinen Geld- und Sachwerten alle Verbindlichkeiten abziehen.

Und genau das ist der springende Punkt! Der Wert meines Depots aus Aktien und ETFs kann das gesamte Nettogeldvermögen widerspiegeln. Muss es aber nicht.

Wie ermittle ich mein Vermögen?

Dazu stelle ich eine Tabelle zusammen mit allen Geld- und Sachwerten, die sich in meinem Eigentum befinden. Das Depot ist eben nur ein Wert davon. Dazu zählen dann noch: Girokonto, Bargeld, Tagesgeld, Bausparvertrag, Edelmetalle, Kryptowährungen, Startup Beteiligungen, Immobilien.

Bei einigen Werten wie Kryptowährungen oder Immobilien lässt sich der aktuelle Preis nur schwer ermitteln. Bei den Kryptowährungen liegt es an den starken Schwankungen, weswegen eine tagesaktuelle Bewertung wenig Sinn macht.

Bei Immobilien liegt es daran, dass sie nicht über eine Börse gehandelt werden und daher kein aktueller Durchschnittspreis, der sich auch Angebot und Nachfrage ergibt, vorliegt. Daher müssen die Werte oft geschätzt werden. Ich nehme dazu immer einen eher niedrigen Wert an, um mein Vermögen nicht zu überschätzen.

In die gleiche Tabelle trage ich auch alle Verbindlichkeiten ein und ziehe sie dann von den Vermögenswerten ab, denn diese mindern mein Vermögen.

Anhand eines Beispiels kann man den Unterschied zwischen Depotwert und Vermögen gut erkennen. So könnte diese Tabelle aussehen (fiktive Werte):

Depotwert ist nicht gleich Vermögen

Anhand von diesem Beispiel können wir leicht erkennen, dass der Depotwert sich von dem gesamten Vermögen wesentlich unterscheiden kann. Während die Vermögensaufstellung einen Depotwert von 8.000€ zeigt, beläuft sich das Gesamtvermögen auf lediglich 5.000€.

Kleiner Test: Was zählt zum Vermögen?

Versuchen wir doch mal ein Gefühl dafür zu entwickeln, was als Vermögen gezählt werden kann und was kein Vermögen darstellt.

Beispiel 1:
Ich kann mir kein neues Auto leisten, daher gehe ich zum Autohändler und informiere mich über die Möglichkeit, ein Auto zu leasen. Mit dem neuen schicken Auto fahre ich nach Hause und meine Freunde und Nachbarn denken: Der Typ muss vermögend sein. Oder vielleicht sogar reich.

Ist das wirklich so? Nein, natürlich nicht! Das Auto befindet sich zwar in meinem Besitz, aber ich bin nicht der Eigentümer.
Genauso wie ich eine Wohnung miete und diese mir deswegen noch lange nicht gehört und auch nicht zu meinem Vermögen zählt. Genauso wenig gehört mir das geleaste Auto.

Beispiel 2:
Es geht wieder um das Auto. Ich gehe zum Autohändler und frage nach einer Finanzierung. Dieser stellt mir mit Vergnügen ein bequemes Finanzierungsangebot vor. Lange Laufzeit, niedrige Zinsen, das übliche eben.

Gehört mir dann das Auto? Ja, das tut es tatsächlich. Es gehört sofort mir und ich kann es zu meinen Vermögensgegenständen zählen.
Hm, irgendwie klingt das nach einem tollen Geschäftsmodell. Denn ohne dafür lange arbeiten zu gehen habe ich ja ein tolles Auto gekauft.

Der gesunde Menschenverstand sagt mir: Irgendetwas fehlt noch. Richtig! Durch den Kauf des Autos auf Kredit, habe ich nicht nur ein Vermögenswert dazu gewonnen, sondern ich bin auch eine Verbindlichkeit eingegangen. Durch den Zins wird es mich sogar noch mehr kosten, als wenn ich es ohne Finanzierung gekauft hätte.

Beispiel 3:
Ich beleihe mein Depot, um einen besicherten Kredit zu beantragen. Es war ein harter Monat. Mit diesem Geld will ich fett shoppen gehen, um mich ein wenig zu verwöhnen.

Gehören die beliehenen Aktien noch zu meinem Vermögen? Ja, das tun sie. Über die Aktien kann ich zwar nicht verfügen, sie gehören dennoch zu meinem Eigentum. Aber ich habe dafür eine neue Verbindlichkeit, die dem Wert der Aktien entsprechen. Damit senke ich in der Gegenüberstellung den Wert meines Depots quasi auf NULL.

Und zählen die Sachen, die ich von dem Kredit gekauft habe auch noch zum Vermögen? Klar, die gehören auch mir. Aber je nachdem, um welche Konsumgüter es sich handelt, sind sie nach dem Kauf und nach der ersten Benutzung so gut wie nichts mehr wert.

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Wie denke ich über vermögende Menschen?

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen in verschiedenen Ländern über vermögende Menschen denken.

Während in den USA die Reichen gerne über ihren Reichtum und ihren langen Weg dahin erzählen und die anderen gespannt zuhören und den vermögenden Menschen einen Hauch von Bewunderung entgegenbringen, begegnen wir in Deutschland den wohlhabenden Menschen mit Neid und Verachtung.

In den Vereinigten Staaten versuchen Menschen von den Reichen zu lernen. Bei uns dagegen müssen vermögende Menschen sich angewöhnen, nicht über ihr Vermögen zu sprechen. Deshalb versuchen sie unter dem Radar zu bleiben.

Ich finde das Wort “Vermögen” hängt stark zusammen mit der Vermögensfähigkeit etwas zu tun. Ein vermögender Mensch ist in finanzieller Sicht frei in seinen Handlungen und seinen Entscheidungen.

Er kann die Arbeit machen, die ihm Spaß macht und nicht die, die er tun muss, um sein Haus abzubezahlen und seine Familie zu ernähren. Er kann in die Ecke der Welt reisen, wo es ihm am besten gefällt und dort so lange bleiben wie er möchte. Er kann nach seiner eigenen Überzeugung handeln und nicht nach den Überzeugungen derer, von denen er finanziell abhängig ist.

Das Vermögen und speziell das Geld ist für mich pure Energie. Es kann Dinge von A nach B bewegen und es kann Menschen dazu bringen sinnvolle Sachen zu machen und produktiv zu sein. Das Vermögen ermöglicht einem, sein Leben so zu Leben wie man sich das vorstellt.

Vor allem besitzt ein wohlhabender Mensch das Vermögen, anderen Menschen zu helfen und das sollte dieser auch tun.

Ich bewundere vermögende Menschen, die es aus eigener Kraft geschafft haben, ihr Vermögen aufzubauen ohne andere Menschen dafür auszunutzen.

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Bildquellen: Joshua Reddekopp

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Es gibt noch einen weiteren Punkt bei der Einschätzung des persönlichen Vermögens zu bedenken: Im Depotwert sind oft unversteuerte Kursgewinne in erheblicher Größe enthalten. In Wirklichkeit bin ich also gar nicht so reich wie der Depotauszug es vorgaukelt, denn wenn ich meine Aktien verkaufe, um z.B. ein Haus zu kaufen, bekomme ich ggf. deutlich weniger Geld ausgezahlt als auf dem Papier steht. Ich hatte dazu im Blog auch mal einen Artikel “Was ist mein Net Worth”, der das ganze mal beispielhaft durchrechnet.

Antworten

    Hallo Teilzeitinvestor,

    das ist absolut richtig. Wenn irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man viel Kapital für eine Anschaffung braucht, dann führt kein Weg daran vorbei alle Gewinne gleichzeitig realisieren zu müssen und ordentlich Steuern ans Finanzamt abzudrücken.
    Für mich als Langzeitinvestor, der sein Portfolio so aufbaut, dass später ein vernünftiger Cashflow erzielt wird, spielt das zunächst eine untergeordnete Rolle. Nichtsdestotrotz muss man auch dieses Szenario im Kopf mal durchgespielt haben. Danke für den Hinweis!

    Beste Grüße
    Nico

    Antworten

Eine sehr gute Erklärung über “Vermögen”, der ich voll zustimme.

Für mich selber war die Höhe meines “Vermögens” stets wichtiger als die Höhe meines Gehaltes (wobei sich das Vermögen natürlich zunächst einmal aus dem Gehalt speist – später dann zusätzlich aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen), wobei ich als kleiner popeliger Sachbearbeiter in absoluten Zahlen niemals wirklich “vermögend” geworden bin (Lottogewinne zählten nun mal nicht zu meinen Einnahmenquellen).

Hinzufügen möchte ich noch den Begriff “liquides bzw. illiquides Vermögen”. Die wirklich Superreichen haben ihr Vermögen im allgemeinen nicht in Form von Bankguthaben, sondern meist als Firmen-Beteiligungen. Da ist eine Bewertung oftmals schwierig.
Selbst bei Aktiengesellschaften kann man nicht einfach so die Anzahl der Aktien mit dem aktuellen Kurs multiplizieren. Wenn sich Herr Bezos spontan entschlösse, seine 16% Amazon-Aktien zu verkaufen, sich ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen sich “ein schönes Leben zu machen”, dürfte das nicht ganz so einfach sein. (Ich glaube, für 1 Mrd hat er mal Aktien verkauft, aber bei 100 Mrd dürfte das nicht so einfach sein)

Antworten

    Hallo Rabi,

    da hast du Recht! Viele Menschen bewerten ihren finanziellen Status anhand des Einkommens. Verdient jemand viel Geld, so fühlt er sich reich. Verdient jemand wenig, so fühlt es sich arm. Das finde ich nicht richtig. Jemand, der 5000€ im Monat verdient und 5200€ im Monat ausgibt ist nach einiger Zeit viel ärmer als jemand, der 1200€ verdient, aber mit nur 1100€ auskommt und 100€ für später spart. Der erstere wird jeden Monat ärmer und ist irgendwann trotz Spitzengehalt hoch verschuldet. Der letztere wird jeden Monat reicher, obwohl sein Gehalt eher bescheiden ist.

    Die Unterscheidung zwischen liquiden und illiquiden Vermögen ist eine gute Ergänzung. Wenn ich eine Wohnung habe, kann ich nicht automatisch davon ausgehen, dass ich sie jederzeit ohne Abschläge und ohne Kosten und ohne Steuern verkaufen kann. Bei Aktien ist das Problem nicht viel kleiner, denn trotz niedrigerer Kosten und höherer Verfügbarkeit als bei Immobilien sollte ich nicht einfach jederzeit zum beliebigen Preis verkaufen. Auch wenn ich nicht Jeff Bezos bin und keine Probleme hätte alle meine Aktien binnen Minuten zu verkaufen, so ist es wirtschaftlich gesehen selten sinnvoll. Geld ist liquide, Sachwerte sind illiquide.

    Danke für die Anmerkung!
    Beste Grüße
    Nico

    Antworten

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