Gastbeitrag: Geldtheorie (Teil 3)

Gastautor: Franz Müller

Jeder will es, nicht jeder hat es. Es kann glücklich oder sogar süchtig und krank machen. Es ist der einer der Gründe, warum Du diesen Blog liest. In dieser kleinen Reihe wollen wir einige grundlegende Aspekte zu einem Thema beleuchten, was uns täglich beschäftigt und unser aller Leben mitbestimmt: Geld.

Teil 3: Wie entsteht Geld?

Ok, jetzt wissen wir was Geld ist, wie es sich entwickelt hat und was es mit seiner Deckung auf sich hat. Jetzt widmen wir uns seiner Schöpfung. Bis jetzt habe ich immer von Scheinen und Münzen gesprochen, doch den Großteil der Transaktionen machen wir digital mit Überweisungen oder Lastschriften. Man spricht hierbei von Giralgeld. Bargeld spielt hingegen eine untergeordnete Rolle.

Interessant ist, was die Gesetzgebung zu den verschiedenen Geldformen festlegt. Der Paragraph 14 des Bundesbankgesetzes definiert auf Euro lautende Banknoten als alleiniges uneingeschränktes Zahlungsmittel. Alleiniges? Was ist denn mit Münzen oder mit Giralgeld? Die Verpflichtung zur Annahme von Münzen ist auf 50 pro Transaktion begrenzt. Was das Giralgeld, also die Geldform, die wir am meisten benutzen, betrifft, legt das Bundesbankgesetz folgendes fest: Nichts.

Giralgeld findet keine Erwähnung im Gesetzestext. Streng genommen kann das Guthaben auf dem Bankkonto somit nicht als Geld bezeichnet werden. Vielmehr ist es eine Forderung auf Euro-Geldscheine. Giralgeld ist somit nichts anderes, als ein Zahlungsversprechen, genau wie die ersten Banknoten zur Zeit ihrer Entstehung (siehe Teil 1).

Im Folgenden fokussieren wir uns auf das Giralgeld. Nicht nur, weil es die meist genutzte Form ist, sondern auch weil seine Schöpfung auf bemerkenswerte Weise erfolgt. Vielleicht hast du schon einmal das Wort FIAT-Geld gehört. Gerade Anhänger von Kryptowährungen verwenden diese Bezeichnung für Euro und Dollar gern, aber was bedeutet das?

Die Antwort liegt in keinem geringeren Werk, als der heiligen Bibel. „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Wir alle kennen diesen berühmten Spruch, der die göttliche Schöpfung unserer Welt beschreibt. Letzterer Teil lautet im Originaltext der Genesis “fiat lux“ (Es werde Licht).

Die Bezeichnung Fiat-Geld beschreibt also eine Schaffung von Geld aus dem Nichts, quasi mit einem göttlichen Fingerschnipsen. Von ihren Verwendern zum Teil sicherlich mit einer leicht zynischen Auslegung verwendet, ist diese Bezeichnung jedoch keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Frage ist nur, wer diese göttliche Macht besitzt.

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Wer schöpft das Geld?

Die Antwort, die die meisten Menschen auf diese Frage geben, ist: Die Zentralbank. Ja, die EZB schöpft Geld und gibt es größtenteils durch den Ankauf von Wertpapieren an die Geschäftsbanken weiter. Soweit bekomme ich immer ein zustimmendes Kopfnicken von meinen Gesprächspartnern.

Das ist aber nur die halbe, vielmehr nur ein Prozent der Wahrheit, denn was die Zentralbank ausgibt, ist nur die Geldbasis. Der Großteil der Geldschöpfung erfolgt bei privaten Unternehmen, genauer bei Geschäftsbanken wie der Deutschen Bank oder den Sparkassen. Nach dieser Erklärung ernte ich meist keine Zustimmung mehr, sondern nur einen skeptischen Gesichtsausdruck.

Das fest verankerte Verständnis, dass wir vom Geschäftsmodell der Banken haben ist, dass sie Geld von Sparern einsammeln und es weiterverleihen. Die Zinsdifferenz ist dabei der Gewinn der Bank. Dieses Verständnis ist falsch.

Bei der Vergabe eines Kredites wird Geld erzeugt, durch einen schlichten Buchungssatz. Spätestens jetzt werde ich bei meinem Gegenüber als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. So verrückt es sich auch anhört, es handelt sich hierbei keineswegs um Verschwörungstheorie, sondern um gängige Praxis bei allen Fiat-Währungen dieser Welt.

Zugegeben, dieser Prozess der Geldschöpfung wirft einige Fragen auf. Warum erzeugen die Banken z.B. denn nicht einfach Unmengen an Geld und generieren somit für sich selbst unbegrenzte Gewinne? Banken können nicht unbegrenzt Geld schöpfen. Der Mindestreservesatz legt fest, wie viel Basisgeld die Banken für jeden geschaffenen Euro bei der EZB vorhalten müssen.

Dieser liegt momentan bei einem Prozent. Banken können also „nur“ das Hundertfache des erhaltenen EZB-Geldes schöpfen. Auch dürfen sie das nicht zu jedem beliebigen Anlass tun. Geschaffen wird Geld fast ausschließlich bei der Vergabe von Krediten an Nicht-Banken.

Die Bank kann es sich also nicht einfach selbst gutschreiben. Wird der Kredit zurückgezahlt (oder abgeschrieben) wird dieser Betrag aus den Büchern entfernt und das Geld somit wieder vernichtet. Geldschöpfung ist für die Banken daher keine Quelle unendlichen Reichtums, wenngleich es ohne Frage ein lukratives und risikoarmes Geschäftsmodell ist.

Aber warum sammeln Banken denn noch Geld von Sparern ein, wenn sie es nicht für Kredite brauchen? Zum einen leihen sich Banken ständig untereinander Geld. Dieses darf nicht selbst erzeugt werden. Daher sind Banken ständig auf Liquidität von außen angewiesen. Zum anderen handeln sie mit Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen. Auch hierfür wird frisches Geld benötigt. Das begründet, warum Banken dennoch um die Spareinlagen ihrer Kunden konkurrieren.

Geld funktioniert anders als gedacht

Ich weiß, für jemanden, der so etwas zum ersten Mal liest, hört sich das alles sehr abenteuerlich an. Während meiner Beschäftigung bei einer großen Bank musste ich feststellen, dass selbst Filialleiter kein klares Bild davon haben, woher das Geld kommt, was sie täglich verleihen. Wirklich vermittelt bekommt man so etwas auch in der Schule kaum.

Heißt das jetzt, dass Du Geld verteufeln und Dich davon lossagen solltest? Sicher nicht. Auch wenn das System anders funktioniert, als viele denken, es funktioniert. Dieser Artikel hier soll Dir als ein kleiner Denkanstoß dienen, um besser einschätzen zu können, was wir da täglich in unseren Händen halten und welche Risiken es birgt.

Ich hoffe Du hast einen kleinen Rundumblick für das Thema bekommen und konntest für Dich ein paar interessante Informationen mitnehmen. Wie für alle Informationsquellen gilt: Hinterfrage, recherchiere, mache Dir dein eigenes Bild. Wenn Du Anregungen, Ergänzungen oder auch gegenläufige Informationen zum Thema hast, schreibe mir! In jedem Falle wünsche ich Dir viel Erfolg für deine finanziellen Ziele!

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Bildquellen: Sharon McCutcheon

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Eine Frage hätte ich noch. Du schreibst: “Wird der Kredit zurückgezahlt (oder abgeschrieben) wird dieser Betrag aus den Büchern entfernt und das Geld somit wieder vernichtet.” Was ist denn, wenn der Kredit nicht zurückgezahlt wird? Ist die Bank dann gezwungen, ihn abzuschreiben? Ansonsten würde die Geldmenge ja immer weiter anwachsen, weil immer mehr Geld in Umlauf käme, aber nichts “vernichtet” wird.

Antworten
Franz Müller
14. August 2018 11:20

Hallo Rabi,
freut mich, dass du so fleißig und kritisch kommentierst.
Also: Der Kredit steht als Forderung in den Büchern der Bank. Fällt dieser aus, muss er abgeschreiben werden. Hier greifen (wie für jede ausfallende Forderung) die Buchführungsgrundsätze des Handels-und Steuerrechts. Die Abschreibung erzeugt einen Verlust für die Bank. Somit wurde wieder Geld “vernichtet”. Ich hoffe, das beantwortet deine Frage.

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