Gastbeitrag: Geldtheorie (Teil 1)

Gastautor: Franz Müller

Jeder will es, nicht jeder hat es. Es kann glücklich oder sogar süchtig und krank machen. Es ist der einer der Gründe, warum Du diesen Blog liest. In dieser kleinen Reihe wollen wir einige grundlegende Aspekte zu einem Thema beleuchten, was uns täglich beschäftigt und unser aller Leben mitbestimmt: Geld.

Teil 1: Wozu Geld? Und was ist das eigentlich?

Wir beginnen mit den Grundlagen der Grundlagen – mit der Frage, wo Geld herkommt und wie es definiert wird. Zugegeben, diese Frage klingt schon etwas suggestiv, aber gerade in Zeiten, in denen heftig darüber gestritten wird, ob z.B. Kryptowährungen Geld sind oder nicht, ist es sinnvoll, sich einmal mit dieser Frage zu auseinanderzusetzen.

Klar, zum Beginn der Menschheitsgeschichte gab es noch kein Geld. Jede Gruppe jagte und sammelte für sich selbst. Doch mit zunehmender Besiedelung begann der Tauschhandel. Die Probleme dabei liegen auf der Hand.

Wenn ein Fischer Mehl erwerben möchte, der Müller aber kein Fisch, sondern eher Fleisch mag, muss der Fischer zunächst mit einem Schlachter tauschen. Das ist relativ kompliziert. Wie viel Fisch, gemessen in Fleisch, ist ein Sack Mehl wohl wert?

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Hinzu kommt, dass es ziemlich aufwendig ist, den Fisch nur zum Tauschen über weite Strecken zu transportieren. Und was passiert, wenn der Fischer schon fleißig Artikel auf meine-finanzverwaltung.de gelesen hat und auf die Idee gekommen ist, etwas zu sparen? Fisch über mehrere Jahre zu lagern, ist wohl keine gute Idee.

Durch all diese Probleme beim Tauschhandel entwickelten sich Stück für Stück die Vorläufer des heutigen Geldes, zunächst Muscheln oder seltene Steine, später Münzen, denn all diese haben gleich mehrere praktische Eigenschaften.

Klar, diese Sachen sind nicht so leicht zu fälschen, aber das ist noch lange nicht alles. Mit Ihnen kann man den Wert von Waren messen und wiedergeben. Sie sind leichter zu transportieren als Waren und können gegen alles Erdenkliche direkt und ohne Umwege getauscht werden. Sie verderben auch nicht und behalten damit ihren Wert.

Et voilà, schon haben wir die drei Haupteigenschaften von Geld lt. der Deutschen Bundesbank hergeleitet. Danach ist Geld zugleich Tausch- und Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel.

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Schuldscheine statt Münzen

Aber auch Säcke voll Münzen sind schwer transportierbar und so lagerte man diese bald an einem sicheren Ort und stellte stattdessen Schuldscheine aus, die jederzeit in Münzen umtauschbar waren.

Die Lagerung der Münzen und Ausgabe der Schuldscheine wurde bald ein ordentliches Handwerk. Man ließ jetzt seine Münzen bei einer vertrauensvollen dritten Partei einlagern und bezahlte nur noch mit den ausgegebenen Schuldscheinen. So war nicht nur der Geldschein, sondern auch das Bankengeschäft geboren.

Übrigens: Dass sich Banknoten aus Schuldscheinen heraus entwickelten, kann man noch heute leicht nachvollziehen. Wer zehn britische Pfund in der Hand hält kann darauf – unterschrieben vom Chief Cashier der Bank of England – lesen: „I promise to pay the bearer on demand the amount of 10 pounds“ (deutsch: „Ich verspreche, auf Verlangen, den Betrag von 10 Pfund zu bezahlen“).

Ein Tauschmittel ist unverzichtbar

Zugegeben, für uns heute klingt das sicher alles etwas banal. Dass Geld aber mehr ist, als die Summe seiner Eigenschaften zeigt folgender Gedanke: Unser heutiger Wohlstand fußt im Grunde auf einem simplen Prinzip – Spezialisierung.

Schaue Dich doch einmal um und überlege Dir, was Du von den Dingen um Dich herum von Grund auf selber herstellen könntest. Genau. Nichts. Dafür hast du wiederum ein spezialisiertes Wissen oder einen Beruf, von dem die Leute um dich herum keine Ahnung haben. Diese Maxime lässt sich auf einzelne Personen, Abteilungen, Unternehmen, ja sogar auf ganze Länder übertragen.

Die zentrale Voraussetzung, damit die Spezialisierung den globalen Wohlstand erhöht ist der Waren- und Dienstleistungsaustausch. Je höher der Grad der Spezialisierung, desto mehr Austausch ist notwendig. Geld vereinfacht diesen Austausch enorm und hat somit eine zentrale Bedeutung in der Entwicklung unserer Zivilisation.

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Bildquellen: Sharon McCutcheon

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Zum Teil stimme ich den (historischen) Erklärungen zu, zum Teil aber auch nicht, weil (wieder mal) Dinge durcheinader gemixt werden.

    Meine Zustimmung bezieht sich auf “Tausch- und Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel”. Ich nenne es immer das “Prinzip Aldi”, weil ich – wie beim Aldi – ein direkter Tausch “Geld gegen Ware” oder “Geld gegen Dienstleistung” stattfindet.

    In letzter Zeit (vielleicht aber auch schon früher?) wird dieses “Prinzip Aldi” aber immer mehr ausgehebelt. Also, wenn man sich mal überlegt, wieviel Prozent aller Geld-Transfers nur noch aus “Spekulationen” bestehen, also mit dem Austausch von Waren und Dienstleistungen nichts mehr zu tun haben.

    Und auch die Krypto-Währungen fallen in diesen Bereich. = 21 Millionen: was hat diese zahl mit der realen Wirtschaft zu tun? Wieso ist nach 21 Millionen Schluss? Hört dann die Erde auf, sich zu drehen???

    Goldstandard war auch nicht gut, weil die Goldmenge limitiert ist. Krypto-Währung halte ich für völlig daneben, da es überhaupt kein Äquivalent gibt (außer irgend welchen Codes, die kaum jemand versteht). Auch die “alten Männer und Frauen in Anzügen” machen Fehler, wenn sie die Geldmenge unkontrolliert immer weiter zum Nullzins erhöhen.
    Meines persönlichen Erachtens nach sollte die Geldmenge der Waren- und Dienstleistungsmenge entsprechen – also wieder “zurück zum Prinzip Aldi”, sonst geht es uns eines Tages wie dem Kaiser in dem Märchen von “Des Kaisers neue Kleider”, wenn rauskommt, dass hinter all dem Geld, das in Umlauf ist, kein realer Gegenwert steckt (hatten wir das nicht schon mal 1923, wo Berge von Papiergeld zum Feueranzünden benutzt wurden?)

    Antworten
    • Franz Müller
      21. Juni 2018 11:07

      Hallo Rabi,
      es freut mich, dass du den Beitrag gelesen hast und dich für das Thema interessierst. „Prinzip Aldi“ trifft es wirklich gut. Auch was die Spekulationen angeht, gebe ich dir absolut recht. Ein Finanzhandel, der das Volumen der Realwirtschaft um ein Vielfaches übertrifft (falls du das meinst), ist sicher problematisch. Nur müssen wir hier trennen zwischen den Transaktionen und dem Geld, was hier nur als Vehikel dient. Geld übernimmt nach wie vor die Warenaustausch-funktion, jedoch ist beim Spekulationshandel aus meiner Sicht eher die Ware problematisch. Das ist eine gute Anregung für einen Artikel über die Finanzwirtschaft.
      Was Themen wie die Limitierung von Geldschöpfung, den Goldstandard oder den realen Ge-genwert von Währungen betrifft, möchte ich dich gerne auf unseren zweiten und dritten Artikel zur Geldtheorie aufmerksam machen, die bald veröffentlicht werden.
      Noch kurz zum Bitcoin: Die 21 Millionen wurden festgelegt, damit die Währung nicht von einer dritten Partei manipulierbar ist und der Preis ausschließlich über das natürliche Angebot und die natürliche Nachfrage geregelt ist. Die konkrete Zahl liegt technisch begründet und hat nichts mit der Wirtschaft zu tun. Aber muss sie das denn? Wenn alle Coins geschürft sind wird der Preis steigen (stabile oder steigende Nachfrage vorausgesetzt). Weil die Anzahl der neu erschaffenen BTC bis bereits jetzt stetig sinkt wird das wohl nicht plötzlich geschehen. Außer-dem antizipieren alle Marktteilnehmer diese Entwicklung bereits heute und preisen sie mit ein. Also vielleicht passiert auch gar nichts, nachdem der letzte BTC geschaffen wurde. Aber das ist sicher auch ein Thema für einen eigenen Artikel.

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